Radiomoderation: Rechtsruck in Ungarn

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Seit 2010 regiert in Ungarn der Nationalkonservative Viktor Orbán mit Zweidrittelmehrheit. In atemberaubender Geschwindigkeit hat er das Land umgekrempelt. Mit Hilfe von hunderten Gesetzen sichert sich Orbán die Macht. Es ist die Macht der „Völkischen“ über die Liberalen. Die Macht der „Nationalen“ über die „Europäer“. Die der Provinz über die Stadt. An der Grenze steht jetzt nur noch „Ungarn“, das Wort „Republik“ ist von den Schildern gestrichen. In seinen Reden beschwört Orbán eine Gemeinschaft der Starken. Er stellt sich in die Tradition des Heiligen Stephan, Staatsgründer und Christianisierer. Doch Viktor Orbán kämpft nicht nur um die politische Macht. Er kämpft auch um die Köpfe. So sind die Bücher des Rumänien-Hassers und Kriegsverbrechers Albert Wass Pflichtlektüre in der Schule, ebenso die des Pfeilkreuzlers József Nyirö. Schulbücher verehren auch den autoritären Reichsverweser Miklós Horthy als Helden. Er kämpfte in der Zwischenkriegszeit für die Revision des Trianon-Vertrages, durch den Ungarn zwei Drittel seines Territoriums verlor. Plätze werden jetzt nach Horthy benannt, das kleine Mausoleum und Mini-Museum in seinem Heimatort sind Ziel von Butterfahrten. Trianon-Denkmäler gibt es im ganzen Land, auf vielen Autos prangt die Großungarn-Landkarte, Politiker sprechen von der „Kulturnation“, die auch die Ungarn in den Anrainer-Staaten einschließt.
Und manch einer hält die Staatsgrenze nicht für endgültig.
Auch militärische Schnupperkurse à la DDR stehen auf dem Stundenplan der Schüler. Eine rechtsextreme Subkultur blüht, Rockbands fordern „Weg mit Trianon“. Auch das „Neue Theater“ in Budapest wird von einem Rechtsextremen geführt, Ortsschilder im ganzen Land sind zweisprachig: Székler Runenschrift ergänzt die lateinische. All das geschieht mitten in Europa, in einem EU-Mitgliedstaat. Eine Reportage von Stephan Ozsváth..

„Ungarn unter dem Turul – Die Wiederkehr des Völkischen“

Breitengrad, Bayern2, am 16.01.2013, 14-15 Uhr
Moderation: Christina Teuthorn

Sendungsseite beim Bayerischen Rundfunk

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