Radiomoderation: Olympische Spiele in Russland

Logo © BR

Oberflächlich betrachtet ist Russland eine Demokratie mit gewählten Politikern. Tatsächlich aber handele es sich um eine Autokratie, haben unlängst internationale Wissenschaftler festgehalten. Die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau wurden wegen des Einmarsches der Roten Armee in Afghanistan von 42 Staaten boykottiert, darunter neben vielen islamischen Ländern auch die USA und die BRD. In Russland mehr als im Ausland empfindet man das bis heute als einen Makel, den es zu tilgen gilt. Sotschi soll das nun leisten. Aber über den Winterspielen an den mit Palmen gesäumten Gestaden des Schwarzen Meeres hängt wie ein schlechtes Omen das Negativ-Image des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Das gründet nicht nur auf der brutalen Weise, wie am Austragungsort Menschen schikaniert und die Natur zerstört worden ist. Kritische Umweltschützer etwa wurden mundtot gemacht, indem man sie nach fragwürdigen Prozessen ins Gefängnis warf. Ein Vorgehen, das russlandweit Methode hat.
Als Autokrat gilt nach allgemeinem Verständnis jemand, der in einem bestimmten Gebiet Herrschaft ausübt und in seiner Machtfülle durch nichts und niemanden eingeschränkt ist.

Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung haben 250 Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern ihre Erkenntnisse zusammengetragen zum Zustand der Welt. Besonderes Augenmerk galt dabei Bereichen, in denen Missbrauch leicht möglich ist: staatliche Gewaltenteilung, freie Wahlen, Meinungs- und Pressefreiheit, Minderheitenrechte oder Rechtssicherheit. Im kürzlich veröffentlichten und sehr angesehenen Bertelsmann Transformationsindex ist Russland nun von der Demokratie in eine Autokratie abgewertet worden. Putins Russland: ein Schmuddelkind der Völkerfamilie. Dafür sorgen u.a. die allgegenwärtige Korruption ebenso wie die Machtfülle der Staatsorgane, die praktisch unkontrolliert schalten und walten und an deren Spitze ein Präsident steht, der gegenüber niemandem Rechenschaft ablegen muss. Dieser Wladimir Putin ist beseelt vom Ehrgeiz, Russland wieder in den Rang einer Supermacht zu versetzen, – koste es, was es wolle. So wie in Sotschi, wo die Kosten für die Spiele geradezu explodiert sind. Doch egal – sie sind nun einmal das aktuelle Lieblingsspielzeug des Autokraten im Moskauer Kreml.

„Putins Russland – Spiele beim Schmuddelkind“

Dossier Politik, Bayern2, am 05.02.2014, 21-22 Uhr
Moderation: Christina Teuthorn

Studiogast: Falk Bomsdorf, Russland-Experte

Sendung beim Bayerischen Rundfunk nachlesen
Sendung beim Bayerischen Rundfunk nachhören

Moderation